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Ovationen für einen großen Verlierer

Kein Kommentar 📁 Allgemein 🕔20.Oktober 2015
Ovationen für einen großen Verlierer

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Junge Longhorns beweisen Moral und zwingen den hohen Favoriten aus Ansbach in eine Verlängerung – 18.10.2015 17:07 Uhr

 

Es waren noch 1:40 Minuten zu spielen, die TSH-Basketballer lagen 80:87 zurück gegen die bisher in der 1. Regionalliga ungeschlagenen Piranhas, hatten sich teuer verkauft, aber gegen diese abgezockte Truppe schienen die Punkte erwartungsgemäß verloren zu sein. Doch dann kam zuerst der 16-jährige Nelson Weidemann, verwandelte mit seiner Unbekümmertheit einen Dreier. Dann holte er sich den nächsten Rebound, passte zu Mike Kaiser. Der traf den ersten Freiwurf, vergab eher ungewohnt den zweiten, doch den Rebound sicherte sich überraschend Willy Inkulu (18), der den Abpraller auch prompt zum Korb nutzte. Spätestens jetzt stand die Halle wie ein Mann hinter den Longhorns – obwohl dort aktuell nur zwei TSH-ler im Kader stehen.

Auf der Gegenseite verwandelte der überragende und von der heimischen Defensive nie zu stoppende US-Boy Nicholas Freer (45 Punkte) zwei Freiwürfe. Kaiser, der erstmals seit Menschengedenken nicht in der ersten Fünf stand, nach bravem Auftakt aber noch eine tolle Partie hinlegte, antwortete mit einem Dreier: 89:89. Die Longhorns verteidigten mit allem, was sie hatten, aber Freer, der ein nahezu kompletter Spieler mit zig Optionen ist, blieb eiskalt und markierte die erneute Ansbacher Führung. 2,6 Sekunden (siehe auch „Hinter der Tribüne“) blieben der TSH noch, Coach Mario Dugandzic nahm seine Auszeit. Der Einwurf kam zu Kaiser, der dribbelte noch, täuschte einen Wurf an, passte aber zum unermüdlich kämpfenden Monty Rogers, der die Kugel irgendwie in die Reuse mogelte: Verlängerung!

Hätte man eventuell doch gleich auf einen Dreier und damit die direkte Entscheidung gehen sollen? Denn noch ein Kraftakt war der jüngsten Truppe der Liga gegen die erfahrenste nicht mehr vergönnt. Haris Hujic und Pal Ghotra saßen mit fünf Fouls schon auf der Bank, der diesmal brillante Braslav Turic hatte nun massive Probleme mit seinem lädierten Knöchel, knickte nochmals um und humpelte nur noch über den Platz. Als nach dem Dreier von Nicolau Dilukila zum Ansbach 99:94 auch noch Monty Rogers sein fünftes Foul kassierte, war der Käse gegessen.

98:106 lautete der Endstand – und auch für die Verlierer gab es Ovationen. Denn sie haben zwar ein Spiel verloren, aber enorme Sympathien gewonnen. Davon erhofft sich Dugandzic eine längerfristige Wirkung: „Ich habe mich heute sehr über das Publikum gefreut, das voll dabei war und uns künftig noch viel helfen kann.“

Schade, dass man nach dieser großen Leistung leer ausgegangen sei. Aber sachlich blieben doch zwei Fakten festzuhalten, warum es eben nicht gereicht habe, so der Coach: „Wir haben zu viele Bälle einfach weggeworfen und sind noch nicht so erfahren, um dann umzuschalten. Und wir haben es einfach nicht geschafft, Freer unter Kontrolle zu bekommen.“ Und noch ein dritter Faktor, den der Spielbogen verrät: 47,8 Prozent von der Freiwurflinie (Ansbach 77,1) sind einfach zu wenig.

Dugandzics Gegenüber Dean Jenko, der nach langer Verletzungspause mit 48 Jahren sein Comeback als Spieler gab und am Ende wichtige Punkte markierte, durfte nach dem 42:49- Halbzeitrückstand am Ende doch aufatmen. „Für mich war meine Standpauke in der Halbzeit entscheidend. Unsere Abwehr bis dahin war eine Frechheit. Wir können uns doch nicht von 17-Jährigen 49 Punkte einschenken lassen und uns nicht einmal wehren“, so der Routinier.

Und so bissen die Piranhas wie schon im ersten Viertel (23:17) auch im dritten Durchgang (20:28) energisch zu, schienen im Schlussabschnitt auch dank der starken Leistungen der Ex-Longhorns Toni Donhauser und Christian Imberi klar auf Siegkurs, ehe die Youngsters ihre unglaubliche Aufholjagd starteten.

Longhorns: Teka, Weidemann 17/3 Dreier, Ghotra 3, Inkulu 6, Turic 21/2, Hujic 6/2, Übbing 4, Kaiser 15/2, Rogers 26.

Piranhas: Probst 8, Freer 45/3, Jenko 6, Petrovic 9/1, Imberi 13, Dilukila 15/3, Müller 3/1, Donhauser 7.

Autor HOLGER PETER, Quelle: Nordbayerische Nachrichten

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