Sollte der Stadtrat heute Abend tatsächlich beschließen, dass der Bau eines Bürgerzentrums auf dem Hubmann-Parkplatz zurückgestellt wird, dann wird sich diesem Beschluss auch manch Bewohner der Stadt anschließen wollen. Einer von ihnen ist Olaf Kaddatz-Daßler, ein Kritiker der geplanten städtischen Großprojekte. Ihm wird ein Stein vom Herzen fallen.

Denn statt Unsummen an Geldern zu verbauen, beispielsweise für eine Stadthalle, die in dieser Form keiner braucht, wie Daßler meint, oder aber auch für ein neues Rathaus und vieles mehr, fordert er eine bessere Infrastruktur für den Sport. Und meint konkret die Hallensportarten. Immerhin beruhigt ihn, dass wenigstens das Bürgerzentrum, das er nicht als erforderlich erachtet, auf Eis gelegt werden soll.

Mit Nowitzki im Verein

Dabei ist Olaf Kaddatz-Dassler (OKD) gern in „seinem Städtla“. Die Hälfte seiner 48 Jahre Lebenszeit hat er hier verbracht, in der Sportstadt, wie sie gern genannt wird. Wenn er durch die Stadt spaziert, am Marktplatz einen Kaffee trinkt, dann fühlt er sich wohl. In einer Stadt, in der Basketball einen Stellenwert hat. Denn Kaddatz-Daßler ist ein begeisterter Basketballer, und das seit seiner Kindheit, die er in Würzburg verbrachte. Er hat im gleichen Verein gespielt wie Weltstar Dirk Nowitzki, nur etwas früher. Seit er 24 ist, ist er in Herzogenaurach. Seit 2004 wirkt der Franke als Abteilungsleiter bei der Turnerschaft, aktiv ist er hier noch viel länger.

Und wenn er dann durch diese Stadt spaziert, die er mag, dann findet er die Gelegenheit zum Nachdenken. Gerade jetzt im Herbst, wenn man Geschehenes Revue passieren lässt und noch nicht Geschehenes für sich auf den Prüfstand stellt. Und dann denkt er an den Sport und an die Turnhallen und daran, dass man weder die Infrastruktur noch das Geld hat, um einen höherklassigen Basketball zu bieten. Dass sie es können, haben sowohl die Männer als auch die Frauen der Turnerschaft bewiesen. Alle Jahre wieder bieten sie begeisternde Leistungen, reißen die Fans mit. Außerdem, davon ist Daßler überzeugt – einer Sportstadt stünde mehr Engagement für den Sport auch zu Gesicht.

Für ihn ist es schlicht nicht schlüssig, wenn ein städtischer Haushalt ein Volumen von 60 Millionen Euro hat, aber der Punkt Gesundheit und Sport mit Peanuts abgespeist werde. Freilich gebe es Hallen in der Stadt, die den Vereinen zur Verfügung gestellt werden. Und die auch Geld kosten. Da hat Daßler durchaus ein Lob parat, für die Mitarbeiter im Rathaus nämlich mit Katja Heil an der Spitze, die bei der Verteilung der Hallenstunden sehr kooperativ seien.

Vereine „müssen betteln“

Und trotzdem mag er die Entwicklungen nicht verstehen. Eine sündhaft teure Stadthalle soll es geben, allerdings rein für die Kultur, denn der Sport werde dort ausgeschlossen. Oder dieses Bürgerzentrum, dessen Zweck er nicht verstehen mag. Aber das soll ja nun erstmal nicht kommen. Man müsse doch dort investieren, „wo die Kinder hingehen und ein soziales Miteinander lernen“, merkt der Kritiker an. Also weg vom Smartphone und vom Fernseher.

Die Sportvereine würden diese Aufgabe erfüllen, mit vielen Ehrenamtlichen. Aber was sei deren Los? „Wir müssen betteln, um wenigstens die Fahrtkosten zu den Auswärtsspielen wieder rein zu bekommen.“ Und ohne die Mitwirkung der Eltern könnte man den Spielbetrieb ohnehin einstellen. Kaddatz-Daßler ist überzeugt: „Am intensivsten findet die Jugendarbeit in den Vereinen statt.“ Bei den Fußballern ebenso wie in seinem Verein, der Turnerschaft. Die habe immerhin mehr als 2000 Mitglieder.

Ohne sich zu sehr aus dem Fenster lehnen zu wollen, spricht der Abteilungsleiter die finanzielle Situation an. Man mache heuer voraussichtlich ein Defizit von 35 000 Euro. Das aber bringe den Verein „an den Rand der Handlungsunfähigkeit.“ Zum Glück habe man die Sommerkirchweih. Mit viel Fleiß der Mitglieder bewirtschaftet der Verein dort Flächen in Keller und Festzelt. Ohne die Einnahmen der Kerwa „wäre eine Saison nicht finanzierbar“, sagt OKD.

Ein Graffiti hilft nicht weiter

Und wird deutlicher: „Dabei sollte doch jedem bewusst sein, dass gerade die Vereine eine hohe gesellschaftliche Verpflichtung haben. Wir bilden Trainer und Schiedsrichter auf eigene Kosten aus.“ Das sollte die Stadt doch mal wahrnehmen. Ein Graffiti am Jugendhaus „hilft der Masse nicht.“ Bei den Sportvereinen aber gehe ohne Sponsoren kaum etwas. Und auch da müsse man vielfach betteln. Immerhin haben die Basketballer noch ein paar Betriebe als Gönner, aus Herzogenaurach versteht sich. „Die machen einfach mit. Ich bin froh, dass ich sie habe.“ Und seit 2005 hat er einen Hauptsponsor, was auf die lange Zeit betrachtet sehr selten sei. Was aber machen die Großen des Sports aus Herzogenaurach? Die fallen Kaddatz-Daßler erst gar nicht ein, als er in Gedanken seine Sponsorenliste durchgeht.

Und dann ist da noch die Sache mit den Hallen. Da komme es vor, dass einfach Trainingszeiten fehlen. Und das, obwohl die Mannschaften immerhin Regionalliga und Bayernliga spielen. Oft habe man nur ein Hallendrittel zur Verfügung. Beim Nachwuchs sei das eklatant. Wenn man auf dieser kleinen Fläche mehr als 20 Kinder unterbringen müsse, sei ein qualifiziertes Training nicht möglich. Der Verein versucht das über andere Wege zu entzerren, man trainiert beim Karnevalsclub und es gibt die Jugend-Kooperation mit Nürnberg. Die Leistungsmannschaften trainieren laut Daßler inzwischen ausschließlich dort. Das aber sei gerade für die Eltern eine Belastung, wenn die mehrmals die Woche nach Nürnberg fahren müssen.

Mehr Familien ziehen zu

In Herzogenaurach wäre so ein Training nicht darstellbar. „Es fehlt an Geld und Infrastruktur“, sagt der Familienvater und fügt resignierend hinzu: „Ich kriege jedes Mal Gänsehaut, wenn ich an der Autobahn die Schilder der Stadt des Sports sehe.“

Dabei kämen stets neue Familien als Einwohner hinzu, die Stadt „wächst und wächst.“ Die Neubürger bringen ihre Kinder mit, und diese wollen Sport treiben. Daßler: „Nur die Kapazitäten machen nicht mit.“ Freilich sei eine weitere neue Halle von der Stadt geplant, aber mit nur 199 Zuschauern. Und die soll die Gymnasiumhalle ersetzen, bis auch diese neu gebaut ist. Selbst diese große Halle soll künftig weitaus weniger Zuschauer fassen als die jetzige.

Für den Abteilungsleiter ist das alles wenig durchdacht. Freilich wäre eine eigene Basketballhalle utopisch. Aber man könne eine richtige Halle für die bauen, die sie auch wirklich brauchen. Kaddatz-Daßler: „Wozu brauche ich eine Stadthalle ohne Sportnutzung?“